Warum macht Fast Food süchtig?

Würde man einen Experten fragen, was Abhängigkeit ist, würde die Antwort wahrscheinlich folgendermaßen lauten: „Abhängigkeit ist das unüberwindbare körperliche und/oder psychische Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand.“ Bei dem Wort Abhängigkeit denken die meisten natürlich zuerst an Drogen, Alkohol oder Nikotin. In letzter Zeit wird aber immer klarer,dass sich der Begriff Abhängigkeit nicht nur auf psychoaktive Substanzen beschränkt. Internet, Einkaufen, Gaming, Glücksspiel, Fernsehen, Handy und eben auch Essen können ebenso abhängig machen.

Der Begriff Fast Food umfasst vieles – Burger, Pommes, Pizza, verarbeitete Lebensmittel, wie herzhafte Knabbereien, Süßigkeiten und Wurstwaren sowie einige kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke. Was all diese Lebensmittel gemeinsam haben, ist eine Menge Kalorien und praktisch kein Nährwert. Solche Nahrung gibt dem Körper weder Vitamine noch Mineralstoffe noch Antioxidantien, sondern nichts als leere Kalorien und in den meisten Fällen jede Menge Zusatz- und Konservierungsstoffe sowie Salz. Das größte Problem liegt darin, dass genau solches Essen schnell zur Gewohnheit werden und sogar eine schwere Abhängigkeit verursachen kann.

Gesund zu essen und zu leben erscheint vielen Menschen nahezu unmöglich. Trotz guter Absichten passiert es ihnen immer, dass sie zu viel ungesunde Nahrung essen, obgleich sie wissen, dass es ihnen schaden kann. Fakt ist, dass die Wirkung derartiger Nahrung auf das Gehirn es manchen Menschen erschwert, darauf zu verzichten. Die Sucht nach bestimmtem Essen ist ein ernstzunehmendes Problem und der Hauptgrund dafür, dass sich manche Menschen, wenn es ums Essen geht, einfach nicht beherrschen können, wie sehr sie sich auch bemühen.

Zahlreiche neurobiologische Untersuchungen zeigen, dass bei Esssucht dieselben Hirnbereiche betroffen sind, wie bei einer Drogensucht. Auch sind dieselben Neurotransmitter beteiligt und sogar viele der Symptome sind die gleichen.

Sechs der häufigsten Anzeichen einer Nahrungsmittelsucht

• Sie sehnen sich häufig nach einem ganz bestimmten Nahrungsmittel, obgleich Sie gerade eine üppige Mahlzeit zu sich genommen haben und satt sind.
• Wenn Sie der Versuchung nachgeben und anfangen das zu essen, wonach Ihnen gelüstet, essen sie häufig viel mehr davon, als Sie eigentlich vorhatten.
• Sie haben des Öfteren Gewissensbisse, wenn Sie ein bestimmtes Nahrungsmittel essen, essen es aber trotzdem.
• Sie haben schon des Öfteren erfolglos versucht, auf bestimmte Nahrungsmittel zu verzichten.
• Sie verstecken den Verzehr von ungesunder Nahrung des Öfteren vor anderen.
• Sie haben das Gefühl, den Genuss von ungesunder Nahrung nicht kontrollieren zu können, obwohl Sie wissen, wie schädlich sie ist und dass Sie davon dick werden.

Wie verläuft Nahrungsmittelsucht und was kann man dagegen tun?

Wenn Sie irgendwann schon einmal versucht haben, den Konsum von ungesunder Nahrung zu reduzieren, dann wissen Sie, dass dies leichter gesagt ist, als getan. Wir Menschen verspüren ein Verlangen nach einem bestimmten Nahrungsmittel, wenn das Gehirn beginnt, danach zu rufen. Obgleich uns der gesunde Menschenverstand sagt, dass dieses Nahrungsmittel ungesund ist, scheint es, als wäre der Rest des Gehirns anderer Meinung. Manche Menschen haben diese Probleme nicht und können problemlos kontrollieren, was sie essen und was nicht, andere hingegen scheinen keinerlei Kontrolle zu besitzen. Vielleicht denken Sie jetzt, dass diesen Menschen einfach nur ein fester Wille fehlt, doch in Wahrheit dürfte die Situation um einiges komplizierter sein. Nahrungsmittelsucht wird nicht nur durch einen schwachen Willen verursacht, sondern durch das Dopamin-Signal, das die Biochemie im Hirn beeinflusst.

Unser Gehirn hat überdies ein sog. Belohnungssystem. Dieses ist dafür da, uns zu belohnen, wenn wir das tun, was unsere Existenz ermöglicht. Dies schließt auch die Ernährung ein. Fakt ist, dass ungesunde Nahrung das Belohnungssystem im Gehirn auf die gleiche Weise anregt, wie psychoaktive Substanzen, wie Drogen und Alkohol. Das Gehirn schließt, dass Sie, wenn Sie essen, das Richtige tun, und das löst die Ausschüttung bestimmter Stoffe, wie auch des Neurotransmitters Dopamin aus, was unser Gehirn als Zufriedenheit auslegt. Das Gehirn ist sehr resistent und strebt ständig ein Verhalten an, das im Belohnungssystem Dopamin freisetzt. Das Problem mit der ungesunden Nahrung der heutigen Zeit ist, das es eine viel größere Belohnung schaffen kann, als es eine gesunde, ausgewogene Ernährung jemals könnte.

Kann sich eine sog. Toleranz entwickeln?

Toleranz ist ein Zeichen für körperliche Abhängigkeit. Wenn Sie etwas, das im Belohnungssystem Dopamin freisetzt, wiederholt tun, kann es passieren, dass sich Ihre Dopamin-Rezeptoren beginnen, anzupassen. Deshalb brauchen Sie mit der Zeit immer mehr ungesunde Nahrung, um dasselbe Zufriedenheitsgefühl zu erreichen, wie davor.

Was ist das Hauptanzeichen einer Nahrungsmittelsucht?

Das Hauptanzeichen einer Nahrungsmittelsucht ist, wie das Wort schon sagt, die Sehnsucht, das Verlangen nach bestimmten Nahrungsmitteln. Dieses Verlangen ist keinesfalls mit ganz normalem Hunger zu verwechseln.

Was kann diese Sehnsucht auslösen?

• Manchmal taucht sie wie aus dem Nichts plötzlich auf. Sicher ist es Ihnen auch schon einmal passiert, dass Sie, während Sie etwas ganz alltägliches gemacht haben, zum Beispiel, als Sie mit dem Hund Gassi waren oder vor dem Fernseher gesessen haben, plötzlich das Verlangen nach ganz bestimmter Nahrung verspürt haben.
• Manchmal wird die Sehnsucht durch bestimmte Trigger ausgelöst, z. B. durch den Duft nach Pizza oder den Anblick von Kuchen im Schaufenster.
• Ein andermal ist der Trigger ein bestimmter Gefühlszustand, wie z. B. Traurigkeit oder Einsamkeit.

Bei einer solchen Sehnsucht, geht es darum, das Verlangen des Gehirns nach Dopamin zu stillen, was nichts mit dem körperlichen Bedürfnis nach Energie oder Nahrung zu tun hat. Sehnsucht kann unsere gesamte Aufmerksamkeit beherrschen, sodass wir an nichts anderes denken können und das Verlangen die Vernunft besiegt.

Wenn Sie der Sehnsucht nachgeben, erhalten Sie eine Belohnung – das Gefühl von Zufriedenheit, das mit der Freisetzung von Dopamin zusammenhängt. Je öfter Sie diesen Zyklus von Sehnsucht und Belohnung wiederholen, desto stärker wird die schlechte Gewohnheit und desto mehr Nahrung brauchen Sie.

Verzicht auf ungesundes Essen

Wie ernsthaft das Problem der Nahrungsmittel ist, zeigen auch die Ergebnisse einer Studie, die im Jahre 2018 in der Fachzeitschrift „Appetite“ veröffentlicht wurden. Einige der Testpersonen, die die Zufuhr von ungesunder Nahrung reduziert hatten, wiesen bestimmte körperliche und geistige Symptome auf, die man von Menschen kennt, die das Rauchen oder den Genuss von Alkohol aufgeben.

Erste Schritte, um die Sucht nach Fast Food zu beherrschen

Auch wenn der Begriff „Sucht“ in Bezug auf Nahrung oft zu leichtfertig benutzt wird, kann genau diese Art von Sucht zu einem ernsthaften Problem werden. Die Sucht nach Essen kann nämlich schlimme Krankheiten, wie Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes verursachen. Sie kann das Selbstwertgefühl und die Selbstachtung beeinträchtigen und dazu führen, dass man mit sich selbst und seinem Körper unzufrieden ist. So wie andere Suchten, hat auch die Nahrungsmittelsucht schwerwiegende Auswirkungen auf die psychische und emotionale Gesundheit des Betroffenen.

Der vollkommene Verzicht auf ungesunde Nahrung scheint vielleicht unmöglich, weil wir immer und überall davon umgeben sind und sie zu einem Teil der heutigen Kultur geworden sind.

Wenn Sie sich entschließen, bestimmte Lebensmittel aus Ihrer Ernährung zu streichen, um Ihre Sucht danach zu besiegen, dann seien Sie darauf gefasst, dass es nicht leicht wird. Zu den ersten Schritten im Kampf gegen die Sucht zählen die Erstellung einer Liste mit Pro- und Kontra-Argumenten in Bezug auf den Verzicht auf bestimmte Lebensmittel sowie die Suche nach gesunden Alternativen.

Wenn Sie erkannt haben, warum es gut wäre, ein bestimmtes Lebensmittel aus Ihrer Ernährung zu streichen, versuchen Sie, sich jedes Mal, wenn Ihnen der Verzicht darauf schwerfällt, daran zu erinnern, warum Sie sich dazu entschlossen haben. Überdies raten wir Ihnen, während der Entwöhnungsphase keine Reduktionsdiäten zu machen. Warten Sie damit ein bis drei Monate.

Es gibt keine einzige Studie, die im Verzehr von verarbeiteten Lebensmitteln und Fast Food irgendeinen Nutzen aufgedeckt hätte. Solche Nahrung wird unmittelbar mit Fettleibigkeit, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zahlreichen anderen Krankheiten verbunden. Deshalb gilt es, die Augen aufzumachen und sich dieser aufgezwungenen Sucht zu widersetzen.

Zum Abschluss legen Sie noch fest, wann Ihre Reise in ein gesünderes Leben losgehen soll.

Vergessen Sie nicht, dass Sie es mit einer Sucht zu tun haben. Wenn Sie diese erst einmal besiegt und die Kontrolle über die Auswahl von Lebensmitteln selbst übernommen haben, können Sie sich natürlich ab und an auch etwas Ungesundes gönnen, doch sollte dies eine Ausnahme bleiben, als kleine „Belohnung“ für eine ansonsten gesunde und ausgewogene Ernährung.